Sun-Glider: Chance für moderne Verkehrswende fahrlässig verspielt

Es ist schon paradox: da gehen Tausende von Menschen auf die Straße, um für eine rasche Verkehrswende zu demonstrieren und fast zeitgleich beerdigt die Stadt Osnabrück ein zukunftsweisendes Projekt, mit dem genau diese Wende zu erreichen wäre. 

Der Sunglider – das Projekt des renommierten Osnabrücker Prof. Otten für ein solargetriebenen  vernetztes Verkehrssystem mit Hochbahn und autonomen e-Bussen und -taxis ebenerdig hätte eine Vielzahl der Osnabrücker Verkehrsprobleme lösen können. Die Machbarkeit zu prüfen war der Auftrag des Rates an die Stadtwerke. 

Die Stadt beerdigt das Projekt nicht etwa wegen technischer oder inhaltlicher Bedenken, sondern weil „coronabedingt“ die Stadtwerke ihren zugesagten Anteil an der vom Land Niedersachsen zu 50 % geförderten Machbarkeitsstudie angeblich nicht erbringen darf.

Dieselben Politiker, die zuvor sich mit Begeisterung für das Projekt ausgesprochen hatten, sahen sich in der Rolle als Aufsichtsräte der Stadtwerke nicht in der Lage, diesen Beschluss auszuführen. 

Wenn Initiativen von Bürgern, die es nach langem Engagement bis zu einem Ratsbeschluss gebracht und  dort sogar einen Prüfungsauftrag an Verwaltung oder Stadtwerke ausgelöst haben, am Ende in vertrauliche Runde mit fadenscheiniger Begründung abserviert werden, ist das ein verheerendes Signal für die Beteiligungskultur in unserer Stadt, zumal ja nicht wenige Mitglieder des Rates auch im Wort bei den Initiatoren standen.

PlanB steht vor ähnlichen Problemen. Entgegen Zusagen aus Politik und Verwaltung werden wir nicht in die Gestaltungsprozesse um den Neumarkt einbezogen, bei Planungen für die Neue Bibliothek wird den Mitarbeitern der Stadtbibliothek sogar untersagt, mit uns zu kooperieren.

Der Nachhaltigkeitspreis für die Stadt Osnabrück wurde u.A. mit der gelungenen „Bürgerbeteiligung“ begründet. Das ist offensichtlich eine Fehlentscheidung. Ob Rosenplatz, Schlossgarten, Ledenhof, Neumarkt, Güterbahnhof, Bibliothek usw. – überall wird aufmerksam zugehört, genickt, notiert und versprochen – aber offensichtlich geht das zum einen Ohr rein und zum anderen hinaus – das aber nachhaltig..

Bei der Kommunalwahl nächstes Jahr haben wir Gelegenheit, ein paar dieser Ohren auszuwechseln.